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  • Mag.Mareike Krieger

„Umgang mit traumatisierten Kindern“

 (basierends auf dem Buch „Erste Hilfe für traumatisierte Kinder“ von Andreas Krüger)

Was ist ein Trauma?

Eine traumatische Situation  ist eine für das Kind extreme, existentielle Bedrohung. Bei der es sich selbst, seine körperliche und seelische Einheit oder andere Menschen als bedroht erlebt. Das Kind  hat das Gefühl ohnmächtig zu sein und nichts tun können.

Die Folgen des Traumas sind, dass das Herz ist wie schockgefroren ist und gefroren kann es nicht weinen.  Bei einer Psychotrauma – Folgestörung  ist ein hinschauen nicht möglich, weil dies wieder eine neue Schocksituation bedeuten kann.

Oft wird die Vergangenheit mit der Gegenwart verwechselt. Trigger (Hinweisreize) können  traumatischen Stress erneut auslösen (Bilder, Geräusche, Berührungen,…).

Typische Schockzeichen beim Kind

  • Psychische Zeichen z.B. Gefühl von existentieller Angst, Gefühllosigkeit, neben sich stehen

  • Innere körperliche Zeichen z.B. Gefühl von Schwindel, Übelkeit, Ekel, Atemnot, Herz rasen

  • Äußerlich sichtbare körperliche Zeichen z.B. Blässe, Zittern, Schwitzen

Schutzfaktoren vor Trauma-Folgestörung- Resilienz

  • Tragende familiäre Beziehungen

  • Extrovertiertheit, Selbstbewusstsein

  • Fördernde außerfamiliäre soziale Umwelt

  • Emotional kompetente Bezugspersonen

  • Reichhaltiges Repertoire an Bewältigungsstrategien

Plötzlich auftretende „sinnvolle“ Zeichen einer Extrembelastung sind ein Schutzmechanismus des Körpers. Dies muss man von längerfristigen Reaktionen mit Krankheitswert unterscheiden.

Von einer Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)  spricht man zum Beispiel erst, wenn die Symptome länger als ein Monat nach den Ereignissen auftreten.

Posttraumatische Belastungsstörung – für Kinder typische Krankheitszeichen

Man spricht von 4 Symptomgruppen, die sind typisch nach einer Traumatisierung

  • Hyperarousal:

Zeichen der Übererregung z.B. motorisch hyperaktiv, Ein- und Durchschlafschwierigkeiten, Schreckhaftigkeit, erhöhte Reizbarkeit, aggressive Impulsdurchbrüche, Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen

  • Intrusionen:

Wiederkehrende überwältigende Erinnerungen wie Bilderstürme, Empfindungen, Flashbacks und Alpträumen: plötzliche und ‚lebendige‘ Erinnerungen, die  überwältigen und aufs neue traumatisieren

  • Vermeidungsverhalten und veränderte Bewusstseinszustände (Dissoziation):

Vermeidung von Orten, Tätigkeiten, Stichworten, Menschen, die etwas mit dem Ereignis zu tun haben:Vermeidung von Gedanken, Gefühlen, oder Gesprächen, die das Trauma zum Thema haben Die Unfähigkeit, sich an wichtige Details der Situation zu erinnern. Die Unfähigkeit, Trauer, Verlust oder Ärger während des traumatisierenden Ereignisses bewirkt, dass das Trauma auch weiterhin nachwirkt, ohne dass das dem Opfer bewusst wäre. Depression und sogar Schuldgefühle (weil man z.B. als einziger einen Unfall überlebt hat) sind oft die Folgen.

  • Kindliche Anzeichen einer Trauma-Folgestörung

Regression, Aggression (Angriff ist die beste Verteidigung), Erstarrung (Marasmus)

Gefühlsreaktionen: Schuldgefühle, Misstrauen, Verminderung des Selbstwertgefühls

Mögliche Ursachen einer psychischen Traumatisierung

  • Naturkatastrophen:

  • Technische Unfälle:

  • Menschliche Gewalt: außerfamiliäre Gewalt, innerfamiliäre Gewalt

  • Sexueller Missbrauch: körperlicher und seelischer Missbrauch 

  • Verlust eines nahestehenden Menschen

  • Besonderheiten terroristischer Gewalt

Umgang mit psychischer Traumatisierung bei Kindern

 Was das Kind unmittelbar nach dem Schock braucht?

  • Schutz vor Leuten, Gerüchen, Geräuschen

  • Sicherheit und Trost

  • Da sein und das Kind nicht alleine lassen

  • Aufmerksamkeit und Geborgenheit

Einige Zeit nach der traumatisierenden Situation

Den Dingen Namen geben

Oft fühlen sich die Kinder hilflos, weil sie nicht wissen was mit ihnen geschieht

Es ist entlastend, wenn man dem Kind vermittelt, dass man weiß was mit  ihm passiert und in ihm vorgeht

  • Die Seele ist verletzt

  • Das Gehirn schaltet auf eine Notfallprogramm

  • Die Symptome sind lästig, aber nützlich  (3 Kreise – Zwiebel)

  • Stopp – Regel, wenn Kind sich unwohl fühlt, zu aufgewühlt ist,…

Altersbedingte Maßnahmen

Jüngere Kinder:

  • Nähe und Zuwendung

  • Viel Ruhe

  • Geregelter Tagesablauf

  • Unnötige Trennungen vermeiden

  • Körperlichen Stress vermeiden (Schlafentzug, Hitze, Kälte, Lärm, Hunger,..)

Mittlere Kinder: (Grundschulalter)

  • Am leichtesten, aufgeschlossener aufgrund der Latenzphase

  • Über Bedürfnisse sprechen

  • Angebote für Körper, Seele und Geist

  • Sicherheit und Halt

Ältere Kinder:

  • Coolness – oft zu Beginn keine Hilfe annehmen

  • Verständnis zeigen

  • „Wie immer“ sein

  • Geduldig sein

  • „Gummibandprinzip“ – nachgiebig, geduldig, letztendlich standhaft

  • Fels in der Brandung

Praktische Übungen

Heilende Wirkung der Vorstellungskraft

Fantasie und Vorstellungskraft sind bei Kindern unglaublich stark. Schöne Erinnerungen und Vorstellungen sollen geschaffen werden.

Spielerischen Übungen dienen:

  1. Der Stabilisierung des Psychischen Zustandes

  2. Der Distanzierung von Erinnerungen an das Trauma und damit zusammenhängenden Gedanken

  3. Der „inneren Wundpflege“ von Anteilen im Kind oder Jugendlichen, die durch die Ereignisse verletzt wurden

  • Gepäck ablegen: alles was man nicht braucht in einen Koffer packen und ablegen, aussortieren

  • Schatzkiste: kleine Kinder Schatzkiste basteln, jeden Tag bunten Schnipsel oder Stein,.. als Symbol für schöne Erfahrung hinein legen

  • Tagebuch: gute Erfahrungen nieder schreiben, auch kleine – an schlechten Tagen darauf zurück greifen

  • Traumfänger: gegen böse Träume

  • Tresor: überschießende Gefühle – Wut, Angst, Verzweiflung in gedachten oder gemalten Tresor sperren, bis man sie wieder raus holen möchte

  • Regler im Kopf: vorstellen – Gefühle in der Vorstellung herunter drehen

Spiel, Kreativität und Körperlichkeit

Es ist wichtig gut für den Körper zu sorgen, da er die Hülle der Seele ist.

Auch Bewegung ist wichtig , da Stresshormone abgebaut werden können.

Spielen ist die Verbindung zwischen dem Außen und Innen, also der Weg zur Seele.

Die „heile Welt“ während des Spielens bietet Zeit zur Erholung und zur Heilung.

Literatur

Krüger, Andreas: Erste Hilfe für traumatisierte Kinder – Mannheim: Walter Verlag 2010



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